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Solltest du mit einer grossen Agentur arbeiten?

Grosse Agenturen bringen echtes Können und echte Kapazität mit. Die Frage ist, wie viel davon in deinem Projekt landet und wie viel Prozess dir wirklich hilft.

Ich habe über die Jahre mit einigen sehr guten grossen Agenturen zusammengearbeitet. Dort arbeiten talentierte Menschen, es gibt Spezialistinnen und Spezialisten für fast jedes Thema und genug Kapazität für Projekte, bei denen ein kleineres Team vielleicht lieber leise den Laptop zuklappen und nach Hause gehen würde.

Das hier ist also kein Artikel darüber, warum grosse Agenturen schlecht sind. Grösse bringt aber gewisse Nebenwirkungen mit sich.

Du engagierst 100 Leute. Irgendwie.

Eines der grossen Versprechen einer grossen Agentur ist der Zugang zu Expertise: UX Researcher, Strateginnen, Designer, Entwicklerinnen, Accessibility-Spezialisten, SEO-Experten, Data-Leute, AI-Leute und vermutlich auch jemanden, der den grössten Teil seiner Arbeitswoche über Checkout-Flows nachdenkt.

Das kann unglaublich wertvoll sein. Die wichtigere Frage ist aber, welche dieser Personen tatsächlich an deinem Projekt arbeiten werden.

Das Senior-Team, das du während des Pitches kennenlernst, kann hervorragend sein. Es lohnt sich deshalb herauszufinden, wer drei Monate später noch mit am Tisch sitzt und wie viel Zeit diese Personen realistisch für dein Projekt haben werden.

Nicht weil Junior-Mitarbeitende schlecht wären. Jede und jeder fängt irgendwo an. Wenn du aber für Senior-Expertise bezahlst, darfst du durchaus wissen, wie viel davon du tatsächlich bekommst.

Mehr Leute bedeuten auch mehr Koordination

Stell dir vor, ein Entwickler braucht vier Stunden, um etwas umzusetzen. Rund um diese vier Stunden gibt es vielleicht ein Briefing, ein internes Briefing, eine Schätzung, Planung, ein Projektmanagement-Meeting, die Umsetzung, ein Review, QA, ein weiteres Review und anschliessend ein Statusmeeting, in dem erklärt wird, was in den vorherigen Meetings passiert ist.

Ein Teil davon ist wichtig, ein anderer vermutlich weniger.

Grosse Organisationen brauchen Koordination. Die interessante Frage ist deshalb, wie viel davon dein Produkt besser macht und wie viel hauptsächlich notwendig ist, damit die Organisation selbst funktioniert.

Ein grösseres Team kann sehr viel schneller sein, wenn viele Dinge parallel passieren müssen. Gleichzeitig kann es gelegentlich sechs Personen brauchen, um einen Button zu ändern. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Prozesse sind gut. Bis sie es nicht mehr sind.

Ich mag Prozesse, denn gute Prozesse verhindern teure Fehler, schaffen klare Verantwortlichkeiten und sorgen dafür, dass Projekte nicht zu improvisiertem Theater werden.

Problematisch wird es, wenn sich «Wir machen das, weil es dem Projekt hilft» langsam in «Wir machen das, weil wir Projekte eben so machen» verwandelt.

Die besten Agenturen, mit denen ich gearbeitet habe, kennen den Unterschied. Sie haben genug Struktur, um komplexe Projekte unter Kontrolle zu halten, sind aber gleichzeitig bereit, Teile ihres Prozesses wegzulassen oder anzupassen, wenn diese keinen echten Nutzen mehr bringen.

Manchmal liegt das Problem bei dir

Dieser Teil ist etwas unbequemer.

Es ist einfach, sich darüber zu beschweren, dass eine Agentur langsam ist, während im eigenen Unternehmen jede Entscheidung zuerst durch Marketing, IT, Legal, Einkauf, Management, ein Steering Committee und noch jemanden namens Thomas muss, der vor sechs Monaten zum Projekt gestossen ist und bei dem niemand mehr so genau weiss, warum eigentlich.

Auch Kundinnen und Kunden produzieren Bürokratie. Und eine kleine Agentur kann kein Projekt retten, wenn auf Kundenseite niemand Entscheidungen treffen darf.

Gute Arbeit braucht auf beiden Seiten gute Leute, klare Verantwortlichkeiten und ein vernünftiges Mass an Vertrauen.

Grosse Agenturen machen Sinn

Es gibt viele Projekte, bei denen ich ohne zu zögern eine grosse Agentur empfehlen würde.

Wenn du in 20 Ländern gleichzeitig launchst, mehrere Workstreams parallel laufen, tiefes Spezialwissen gefragt ist und du Enterprise-Prozesse rund um Security, Compliance und Support brauchst, kann Grösse enorm hilfreich sein.

Aber nicht jede Website braucht eine Armee.

Manchmal ist ein Team aus fünf erfahrenen Leuten, die das Problem verstehen, direkt miteinander sprechen und schnell Entscheidungen treffen können, einem deutlich grösseren Setup überlegen. Die Anzahl der beteiligten Personen sollte sich nach dem Problem richten und nicht umgekehrt.

Bei der Auswahl einer Agentur würde ich mir weniger Gedanken darüber machen, ob sie 20, 200 oder 2'000 Mitarbeitende hat. Viel wichtiger sind die Menschen, die tatsächlich mit dir arbeiten werden.

Wer sind sie? Wie erfahren sind sie? Kannst du direkt mit ihnen sprechen? Warum braucht das Projekt genau diese Teamstruktur? Wer trifft Entscheidungen, wenn sich etwas verändert? Welche Teile des Prozesses sind wirklich notwendig?

Und vielleicht am wichtigsten: Vertraust du diesen Leuten genug, dass sie dir sagen dürfen, wenn deine Idee schlecht ist?

Die beste Agenturbeziehung ist nicht die, in der alle höflich allem zustimmen. Es ist die, in der den richtigen Leuten das Resultat wichtig genug ist, um dich zu challengen und gelegentlich auch sich selbst.

Brauchst du jemanden auf deiner Seite des Tisches?

Die richtige Agentur auszuwählen, kann überraschend schwierig sein, besonders wenn du nicht jeden Tag digitale Projekte, technische Angebote und sehr selbstbewusst vorgetragene Pitch-Präsentationen beurteilst.

Dabei helfe ich gerne.

Ich kann das Briefing vorbereiten, Anforderungen mit dir definieren, Agenturen und Angebote evaluieren, an Pitches teilnehmen, unbequeme Fragen stellen und dir eine unabhängige Zweitmeinung geben, bevor du dich entscheidest.

Und wenn du bereits mit einer Agentur arbeitest, kann ich das Projekt auf deiner Seite als Sparringspartner begleiten und dabei helfen, wichtige Entscheidungen konsequent am gewünschten Resultat auszurichten.

Ich verspreche auch, kein zusätzliches Steering Committee einzuführen.