Notizen

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Dieses Meeting hätte ein Prototyp sein können

Manche Fragen beantwortet man schneller, indem man etwas baut, statt weiter darüber zu reden. Ein erster Prototyp lässt alle auf dasselbe reagieren.

Bei manchen digitalen Projekten kommt irgendwann der Punkt, an dem alle so lange über das Produkt gesprochen haben, dass es sich fast so anfühlt, als würde es bereits existieren. In Wirklichkeit existiert es oft in acht leicht unterschiedlichen Versionen in acht verschiedenen Köpfen.

Eine Person stellt sich ein einfaches Dashboard vor, eine andere eher etwas in Richtung Betriebssystem. Die Designerin denkt bereits über die Navigation nach, der Entwickler fragt sich, woher all die Daten kommen sollen, und jemand aus dem Management sagt immer wieder, es müsse sich einfach «intuitiver» anfühlen.

An diesem Punkt ist die übliche Reaktion, ein weiteres Meeting anzusetzen.

Man kann nicht alles ausdiskutieren

Meetings sind sinnvoll, und ich möchte keineswegs jede Diskussion durch eine Figma-Datei ersetzen. Aber irgendwann bringt es weniger, weiter über ein Erlebnis zu sprechen, als einen Teil davon tatsächlich sichtbar zu machen.

Soll dieser Schritt vorher oder nachher kommen? Verstehen die Nutzerinnen und Nutzer die Navigation? Braucht das Dashboard wirklich all diese Informationen? Ist der KI-Assistent hier tatsächlich hilfreich oder sieht er einfach nur gut in einer Präsentation aus?

Man kann diese Fragen eine weitere Stunde diskutieren oder gerade genug von der Idee bauen, um sie einfacher beantworten zu können.

Nicht das ganze Produkt und ganz sicher nichts Perfektes. Nur etwas Konkretes, auf das endlich alle gleichermassen reagieren können.

Baut das Argument

Das ist einer der Aspekte, die ich am Prototyping besonders mag.

Ein Prototyp macht aus einer abstrakten Diskussion etwas, auf das Menschen tatsächlich reagieren können. Anstatt darüber zu spekulieren, ob Nutzerinnen und Nutzer etwas verstehen werden, kann man es ihnen zeigen und beobachten, was passiert. Anstatt darüber zu diskutieren, ob ein Ablauf zu kompliziert ist, kann man ihn durchklicken. Und anstatt drei mögliche Ansätze über mehrere Meetings hinweg zu besprechen, kann man einfache Versionen davon bauen und direkt vergleichen.

Die Qualität der Diskussion verbessert sich meistens sofort, weil nicht mehr alle über ihre eigene Interpretation derselben Idee sprechen.

Und manchmal sieht eine Idee, die im Meeting hervorragend geklungen hat, deutlich weniger überzeugend aus, sobald jemand sie tatsächlich benutzen muss. Das ist kein Scheitern, sondern genau die Art von Erkenntnis, die man möglichst früh gewinnen möchte.

Unfertig ist oft besser

Ein Prototyp muss nicht fertig aussehen, und in vielen Fällen ist es sogar besser, wenn er das nicht tut.

Je ausgereifter etwas wirkt, desto einfacher ist es, sich auf die falschen Details zu konzentrieren. Plötzlich geht es um Schriften, Farben, Abstände oder darum, ob das Logo noch etwas grösser sein sollte, während die viel wichtigere Frage, ob diese Funktion überhaupt existieren sollte, unbeantwortet bleibt.

Ein unfertiger Prototyp signalisiert, dass noch alles verändert werden darf.

Das kann eine Skizze sein, ein paar miteinander verbundene Screens, ein klickbarer Design-Prototyp oder bereits ein kleines Stück funktionierende Software. Wie detailliert er sein muss, hängt vollständig davon ab, was wir herausfinden möchten.

Wenn es um die Navigation geht, brauchen wir wahrscheinlich kein Backend. Wenn wir wissen möchten, ob eine API etwas Ungewöhnliches leisten kann, hilft uns ein Figma-Prototyp nicht besonders weiter. Und wenn wir herausfinden möchten, ob eine KI-Funktion mit echten Unternehmensdaten funktioniert, müssen wir irgendwann aufhören, kleine Glitzer-Icons zu zeichnen, und sie mit einem echten Modell verbinden.

KI macht das Ganze noch schneller

Prototyping ist in den letzten Jahren massiv schneller geworden.

Design-Tools, Coding-Assistenten und KI können eine Idee heute innerhalb weniger Stunden, manchmal sogar Minuten, in etwas Interaktives verwandeln. Dinge, für die früher mehrere Personen und eine Woche Arbeit nötig waren, lassen sich teilweise ausprobieren, bevor das nächste Meeting überhaupt stattgefunden hätte.

Das bedeutet nicht, dass aus jeder Idee sofort ein Hochglanz-Prototyp werden sollte. Es bedeutet, dass wir mehr Ideen früher testen können. Umso wichtiger wird dadurch die Frage, was wir eigentlich herausfinden wollen.

Sonst werden wir einfach sehr effizient darin, beeindruckend aussehende Antworten auf Fragen zu produzieren, die niemand gestellt hat.

Frage. Idee. Prototyp. Feedback. Entscheidung.

Ich betrachte den Prozess gerne als einfache Schleife.

Wir beginnen mit einer Frage. Wo sind wir uns unsicher und welche unserer Annahmen könnte falsch sein?

Daraus entsteht eine Idee, wie etwas funktionieren könnte, und anschliessend ein Prototyp, der gerade detailliert genug ist, um diese Idee zu testen.

Danach holen wir Feedback ein, idealerweise indem wir echte Menschen bei der Nutzung beobachten, anstatt alle Projektbeteiligten zu fragen, ob es ihnen gefällt.

Auf Basis dieser Erkenntnisse treffen wir eine Entscheidung. Wir können die Idee weiterverfolgen, Teile davon verändern, einen anderen Ansatz testen oder beschliessen, dass es sich nicht lohnt, sie weiterzuverfolgen.

Danach beginnt die Schleife erneut, hoffentlich mit einer besseren Frage als zuvor.

Entscheidend ist, dass wir nach jeder Runde etwas wissen, das wir vorher noch nicht wussten.

Meetings braucht es trotzdem

Ein Prototyp ersetzt das Gespräch nicht. Er sorgt einfach dafür, dass wir über etwas Reales sprechen.

Statt eine weitere Stunde gemeinsam darüber zu fantasieren, wie etwas funktionieren könnte, können wir es anklicken, hinterfragen, kaputtmachen und entscheiden, was als Nächstes passiert.

Wenn also gerade das vierte Meeting zur gleichen Funktion geplant wird, muss es vielleicht gar nicht abgesagt werden. Es könnte aber sinnvoll sein, vorher etwas zu bauen.

Und wenn sich der Prototyp als komplett falsch herausstellt, ist das ebenfalls hilfreich. Zumindest wissen wir danach, worüber es sich weiterzureden lohnt und was wir guten Gewissens komplett verwerfen können.