Notizen

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Aufstieg und Fall eines Software-Giganten

Dreizehn Jahre lang war ein Adobe-Abo der Preis dafür, in der Kreativbranche zu arbeiten. Jetzt klont ein einzelner Entwickler die Tools in wenigen Wochen.

Mai 2012: Adobe führt die Creative-Cloud-Abos ein und revolutioniert damit das SaaS-Modell für professionelle Software in der gesamten Kreativbranche.

Mai 2013: Adobe macht das Abo zur Pflicht und bindet Hunderttausende Profis an ein Abomodell ohne Ende. Die Aktionäre feiern. Den Kreativen bleibt nichts anderes übrig, als sich ihrem Schicksal zu fügen. Unbefristete Einmallizenzen gibt es nicht mehr.

2013–2026: Adobe bleibt der De-facto-Standard für alle, die in der Kreativbranche arbeiten. Zahlreiche Alternativen entstehen, einige mit mässigem Erfolg. Open-Source-Projekte, die einzelne Funktionen nachbauen, heben ab, doch allen fehlen bestimmte Funktionen, oder ihre UX ist noch schlechter als die der Adobe-Originale.

September 2026: Ein einzelner Entwickler namens Brandon Thomas hat genug. Innerhalb weniger Wochen «klont» er die bekanntesten Adobe-Tools: Photoshop, Illustrator, InDesign, Acrobat, Premiere, Lightroom usw.

Brandon verspricht Feature-Parität innerhalb eines Monats. Seine Tools sind in Rust geschrieben und dadurch extrem schnell und performant. Sie laufen auf Windows, macOS und Linux. Während Adobe Photoshop mehrere Gigabyte gross ist, kommt sein Klon mit rund 100 MB aus. Native Linux-Anwendungen hat Adobe bis heute keine.

Ihm wird vorgeworfen, KI-Slop zu produzieren, und auf Social Media wird er angegriffen. Seine Antwort ist ziemlich deutlich:

«Hör mal, ich kann programmieren. Im Studium habe ich Lasergames auf Wolkenkratzern gebaut und das Luciferase-Luciferin-System per Agrobacterium-vermittelter Transfektion in Pflanzen kloniert. Dank KI-Modellen kann ich arbeiten wie ein ganzes Unternehmen. Mein Umsatz pro Mitarbeiter ist viermal so hoch wie der von Google.»

Die Leute sind immer noch damit beschäftigt, seine Arbeit schlechtzureden. Ich habe die Adobe-Abos für meine ganze Firma bereits gekündigt (gebunden bin ich trotzdem noch bis Februar 2027). Das Lustige daran: Als ich den Adobe-Support kontaktierte, weil sich Business-Abos ausserhalb eines kleinen Zeitfensters von 30 Tagen pro Jahr nicht kündigen lassen, boten sie mir sofort 40 % Rabatt an, ohne dass ich danach gefragt hätte.

Adobe ist durch, und das ist erst der Anfang. Alle ArtCraft-Apps sind Open Source: Selbst wenn man Brandon stoppt, gibt es kein Zurück mehr. Ausserdem hat er beschlossen, auch noch AutoCAD zu klonen. Warum auch nicht?

Du glaubst es nicht? Probier es selbst aus.

Und vergiss nicht: Der erste Release ist gerade einmal zwei Wochen her.